Für den Alten Fritz: Kartoffelbrötchen. Von Kerstin Hellmich aus Calau (Spreewald) und Berlin.

Aktualisiert: 1. Okt 2020


Sicherlich wissen Sie, wie die Kartoffel zu uns nach Deutschland kam. Mitte des 18. Jahrhunderts waren die Weizenernten schlecht. Um Hungersnöten vorzubeugen, ließ König Friedrich II. merkwürdige "Tartuffeln" aus der sogenannten "Neuen Welt" anpflanzen - er war überzeugt von der Nahrhaftigkeit dieser Knolle.


Aber was die Bauern bekanntlich nicht kennen, dass essen sie nicht. Auch im Oderbruch trauten sie diesem fremden, nach nichts schmeckenden Erdapfel mit ihren angeblich giftigen Beeren nicht über den Weg. Der Preußenherrscher, der Alte Fritz, fackelte nicht lange. Er zwang die Bauern mit einem Kartoffelpflanzbefehl zu ihrem Überlebensglück. Es dauerte seine Zeit, aber nach und nach setzte sich die "doch nicht ganz so schlecht schmeckende Tartuffel" in den Küchen durch. Kartoffelbrei mit Sauce wurde zum Sättigungsklassiker.


Heute gehört die Kartoffel zu unserer Kultur und unseren Grundnahrungsmitteln. 210 Kartoffelsorten sind in Deutschland zugelassen. Ob mehlig oder festkochend - jede schmeckt anders, geschweige denn der vielen Zubereitungsmöglichkeiten. Und mal ehrlich: Schmeckt eine Kartoffel aus dem eigenen Garten nicht viel leckerer als eine aus dem Supermarkt?


Kerstin Hellmich hat das große Glück, gleich an zwei Standorten Kartoffeln anpflanzen und ernten zu können. Die Kunstpädagogin und Künstlerin pendelt in der Woche zwischen Calau (Spreewald) und Berlin. Voller Begeisterung berichtet sie uns, wie die Pflanzen unter unterschiedlichen Bedingungen auf dem Land und im Stadtgarten wachsen: “Der Bruder meiner Studienfreundin züchtet im Vogtland alte Sorten. Davon setze ich Saatkartoffeln, die mir aber durcheinander geraten sind. Sie sind allesamt köstlich. In Calau ist das Phänomen passiert, dass die Kartoffeln im letzten Jahr nicht aufgegangen sind. Wir haben sie hier im letzten Winter mit einer dicken Laubschicht bedeckt, plötzlich wuchsen die in diesem Jahr! In Berlin ist der Platz begrenzt. Dort habe ich in einer alten Tonne bereits im März Saatkartoffeln gesteckt. Zehn Mahlzeiten hatten wir. Ich habe noch einen weiteren halben Sack gepflanzt, dieser Ertrag ist in diesem Jahr auch toll. Schon wenig Platz reicht zum Kartoffelanbau."


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