Für den Alten Fritz: Kartoffelbrötchen. Von Kerstin Hellmich aus Calau (Spreewald) und Berlin.

Aktualisiert: Okt 1


Sicherlich wissen Sie, wie die Kartoffel zu uns nach Deutschland kam. Mitte des 18. Jahrhunderts waren die Weizenernten schlecht. Um Hungersnöten vorzubeugen, ließ König Friedrich II. merkwürdige "Tartuffeln" aus der sogenannten "Neuen Welt" anpflanzen - er war überzeugt von der Nahrhaftigkeit dieser Knolle.


Aber was die Bauern bekanntlich nicht kennen, dass essen sie nicht. Auch im Oderbruch trauten sie diesem fremden, nach nichts schmeckenden Erdapfel mit ihren angeblich giftigen Beeren nicht über den Weg. Der Preußenherrscher, der Alte Fritz, fackelte nicht lange. Er zwang die Bauern mit einem Kartoffelpflanzbefehl zu ihrem Überlebensglück. Es dauerte seine Zeit, aber nach und nach setzte sich die "doch nicht ganz so schlecht schmeckende Tartuffel" in den Küchen durch. Kartoffelbrei mit Sauce wurde zum Sättigungsklassiker.


Heute gehört die Kartoffel zu unserer Kultur und unseren Grundnahrungsmitteln. 210 Kartoffelsorten sind in Deutschland zugelassen. Ob mehlig oder festkochend - jede schmeckt anders, geschweige denn der vielen Zubereitungsmöglichkeiten. Und mal ehrlich: Schmeckt eine Kartoffel aus dem eigenen Garten nicht viel leckerer als eine aus dem Supermarkt?


Kerstin Hellmich hat das große Glück, gleich an zwei Standorten Kartoffeln anpflanzen und ernten zu können. Die Kunstpädagogin und Künstlerin pendelt in der Woche zwischen Calau (Spreewald) und Berlin. Voller Begeisterung berichtet sie uns, wie die Pflanzen unter unterschiedlichen Bedingungen auf dem Land und im Stadtgarten wachsen: “Der Bruder meiner Studienfreundin züchtet im Vogtland alte Sorten. Davon setze ich Saatkartoffeln, die mir aber durcheinander geraten sind. Sie sind allesamt köstlich. In Calau ist das Phänomen passiert, dass die Kartoffeln im letzten Jahr nicht aufgegangen sind. Wir haben sie hier im letzten Winter mit einer dicken Laubschicht bedeckt, plötzlich wuchsen die in diesem Jahr! In Berlin ist der Platz begrenzt. Dort habe ich in einer alten Tonne bereits im März Saatkartoffeln gesteckt. Zehn Mahlzeiten hatten wir. Ich habe noch einen weiteren halben Sack gepflanzt, dieser Ertrag ist in diesem Jahr auch toll. Schon wenig Platz reicht zum Kartoffelanbau."


Heute hat Kerstin mehlig kochende Kartoffeln geerntet. Diese Sorte eignet sich z.B. für Kartoffelbrei oder Kartoffelsuppe, da sie aufgrund des hohen Stärkeanteils schneller weich werden und leichter zerfallen. Kerstin jedoch experimentiert gerne in der Küche: "Ich bin gerade dabei, alte Rezepte zu kochen oder backen, die in der einfachen Bauernküche an der Tagesordnung waren. Ich finde das Rezept Kartoffelbrötchen passend!"


Zutaten und Zubereitung:

  • 400g Kartoffeln schälen, kleinschneiden, im Salzwasser weich kochen.

  • 250ml des Kochwassers auffangen und die abgegossenen Kartoffeln gleich durchpressen.

  • Beides unbedingt abkühlen lassen.

  • 1 Pk. Hefe in dem Kartoffelwasser auflösen.

  • 1Tl Zucker, 1Tl Salz, 2 El gutes Öl, 650 g Dinkelmehl, Brotgewürz, Saaten nach Geschmack zufügen.

  • Das Hefewasser zufügen und alles gut verkneten, bis ein homogener, leicht feuchter Teig entsteht.

  • 1 Stunde gehen lassen

  • Backofen auf 200 Grad vorheizen und feuerfeste Schüssel mit Wasser auf den Boden stellen.

  • Den Teig am Besten nicht mehr kneten.

  • Ca. 12 Brötchen aus dem Teig rund schleifen.

  • Mit der aufgerissenen Seite nach oben auf das Backblech setzen, bemehlen.

  • 15 min gehen lassen.

  • Nun das Blech in den Ofen und 20 Minuten bei 200 Grad backen.


Der frische Brötchenduft verteilt sich im Haus. Kerstin kann es kaum erwarten, eines aufzuschneiden, mit Butter zu bestreichen und hineinzubeißen... Köstlich, denkt sie sich. Der Alte Fritz hätte sicherlich nicht nein gesagt..;)


Oderbruch nach dem Regen, Mischtechnik 2015, 100 x 80, Kerstin Hellmich.


Dieses Bild hat Kerstin Hellmich im Oderbruch gemalt. Ihre Verbundenheit zu diesem Landstrich im Märkisch Oderland ist bis heute groß.17 Jahre hat sie hier gelebt.


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